Publikationen
Vor 82 Jahren gelesen
Das Aufbaumittel der Natur „Nature's Tonic“
(Auszug aus dem Osteopathic Magazine „Nature's Way to Health“
von 1925 Verena Radel, D.O., übersetzt von Tom Esser )
Die Stille nutzen
(Korrespondenz zwischen Dr. Becker & Anne L.Wales)
Einleitung in die Biodynamik der Osteopathie im kranialen Bereich
(Interview mit James Jealous)
Management der Fluktuation der LCS
Vor 82 Jahren gelesen
Das Aufbaumittel der Natur - „Nature’s Tonic“
Auszug aus dem Osteopathic Magazine „Nature’s Way to Health“
von 1925 Verena Radel, D.O., übersetzt von Tom Esser
Erschienen in DO Deutsche Zeitschrift für Osteopathie, 3/2007
„Was soll all' das Hetzen und Rennen?
Weißt du denn nicht, dass das Beste
gegen Überarbeitung und Sorgen in
dieser rastlosen Welt das Ausruhen ist?“
Longfellow
Man hat der Notwendigkeit zu ruhen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, denn dies ist ein Weg, um Kräfte und die Gesundheit zu bewahren und folglich auch das Glück zu erhalten. Zu wenig ist über das Thema Urlaub und Ferien gesagt worden. Mit dieser Wahrheit werden wir täglich konfrontiert, wenn wir die Armee von müden Gesichtern sehen. Gesichter, die gezeichnet sind von Anspannung und Angst. Hetzen und sich Sorgen machen ist viel schädlicher als Krankheit.
Der gute Arzt lehrt Männer, Frauen und Kinder, wie man Aktivität mit Ruhe kombiniert, und wie man Energie erhält, während man welche verbraucht. Er lehrt uns, dass es dumm ist, sich zum Sklaven seines Besitzes zu machen, und dass wir neben einem klaren Ziel im Leben auch ein Hobby haben sollten, dem wir uns für Freiheit, Entspannung und möglicherweise andere nützliche Zwecke widmen. Es gäbe weniger chronisch Kranke und weniger Fälle von Depression und Nervenerkrankungen, wenn alle Leute mehr Ferien machten und weniger nutzlose Mittel einnähmen. Die wahren Aufbaumittel kommen nämlich aus der riesigen Vorratskammer der Natur - von der Sonne, von reiner Luft, Bewegung, gesunder Nahrung und Schlaf.
Ella Adelia Fletcher hat den Ein.uss der Natur auf unsere Vorstellung so schön beschrieben und sagt in ihrem Buch „Die Philosophie der Ruhe“:
„Gehe in den Wald, wo die Bäume mit dir sprechen oder an den Strand, wo dir jede herankommende Welle Botschaften flüstern wird über die pulsierende Vitalität, von der auch du ein Teil bist. Ein köstliches Gefühl von Freiheit und eine ansteckende Stille werden über dich kommen und deine Seele einladen, sich zu öffnen. Du bist nicht zweigeteilt. Deine Seele ist die einzige, die es gibt! Diese intime Beziehung mit deinem Selbst so genossen, kann uns vielleicht später ermöglichen, unerwartete Talente zu entdecken. Jeder Moment dieser Intimität mit deinem Selbst ist voll von tiefster Bedeutung und wird dir hundertfach Schätze für deine Gesundheit, Kraft und erweiterten Fähigkeiten zurückbringen, die du dir nicht vorzustellen vermagst. Wozu ist die Welt denn so schön, wenn nicht, um einem Bedürfnis des Menschen zu dienen? Um ihn aus seiner unbedeutenden Umgebung hinauszuheben – hinein in die Geheimnisse der immerwährenden Hügel.“
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Die Stille nutzen
übersetzt von Tom Esser;
erschienen in DO Osteopathische Zeitschrift für Osteopathie, 2/2007
Dies ist die bearbeitete Abschrift einer auf Kassette aufgenommenen Korrespondenz von Dr. Becker mit seiner engen Kollegin Anne L.Wales, D.O. aus den frühen Siebziger Jahren.
Anne, heute morgen möchte ich das Nutzen der Stille bei einem Behandlungsprogramm besprechen.
Wir hatten schon früher darüber gesprochen, wie ich sie an mir anwendete und damit gute Resultate für zwei chronische Probleme erreichen konnte. Nun möchte ich die Anwendung der Stille diskutieren, wie man sie bei jedem Fall anwenden kann, der zu einem in die Praxis kommt. Was ich ins Bewusstsein rücken möchte, ist eine Art zu denken, eine Art zu sein und eine Weise, die Stille zu nutzen - objektiv und subjektiv - bei der Diagnose und der Behandlung unserer Fälle.
Für mich ist Stille der wahre Schlüssel dazu, was uns Dr. Will (Sutherland) geben wollte. In seinen verschiedenen Vorträgen kamen wir zu einem Stillpunkt. Er machte Aussagen wie: "Erlaube der physiologischen Funktion sich auszudrücken in ihrer eigenen unbeirrten Potency statt blinde Kraft von außen anzuwenden." A.T. Still schrieb in seiner Autobiographie auf Seite 148 das, was ich für die wahre Definition von Osteopathie halte: "Ich hoffe, dass alle, die dies lesen, sehen mögen, dass ich vollkommen überzeugt davon bin, dass Gott als Verstand der Natur seine Fähigkeit zu Planen bewiesen hat, (falls Planung nötig ist) und die Gesetze des Selbst gemacht oder vorgelegt hat, ohne Muster, für die Myriaden von Formen von beseelten Wesen; und sie gründlich ausgestattet hat für die Pflichten des Lebens, mit gleichzeitig laufenden Maschinen und Batterien einer Motorkraft."
Lass uns als nächstes zu einem Artikel eines indischen Mystikers übergehen, welcher das Mysterium von Zeit behandelt. (Main Currents of Modern Thought, Sept/Okt. 1970). Er sagte, dass sowohl Raum als auch Zeit zwei Aspekte der grundlegendsten Qualität des Lebens seien - Bewegung. Und auf direkter Erfahrung beruhend, betonte Buddha den dynamischen Charakter der Wirklichkeit - im Gegensatz zur allgemeinen Annahme seiner Zeit eines statischen Atmavedas, in welchem eine ewige und unveränderte Wesenheit beschrieben wurde. Der Autor sagte, dass das ursprüngliche Konzept von "Atman" im Grunde genommen das einer "universellen, rhythmischen Kraft, dem lebendigen Atem des Lebens" sei - vergleichbar mit dem griechischen "Pneumatos" (Geist), welcher sowohl das Individuum als auch das Universum durchdringe. (Atman: Das Selbst, Geist, ewiges Prinzip im Kern eines jeden Lebewesens).
Er spricht über die Realität einer dynamischen, direkten Erfahrung dieser Stille. Es ist nicht das, was wir den Stillpunkt nennen - es gibt Billionen solche. Es ist diese Stille. Stille ist die treibende Kraft in dem Konzept, welches ich in meiner Praxis anwende. Ich verwende die Stille als treibende Kraft, um Veränderungen in meinen Patienten zu bewirken.
Ich habe eine sehr schöne Beschreibung von Stille bei einem anderen östlichen Philosophen entdeckt. Dieser Mann lauschte einem Künstler, der ein sehr kompliziertes indisches Instrument spielte. Der Musiker spielte sehr schön, seine Finger glitten über die Saiten, er rief die richtige Klangqualität hervor, weil er die richtige Stärke auf den Saiten anwendete und sie korrekt zupfte. Der Zuhörer fuhr fort:
" Etwas Merkwürdiges passierte in dem Raum, der der Verstand ist. Er hatte die anmutigen Fingerbewegungen beobachtet, dem süßen Klang gelauscht, die nickenden Köpfe und die rhythmischen Hände der stillen Leute beobachtet. Auf einmal verschwand der Beobachter, der Zuhörer. Er war nicht von den melodiösen Saiten eingelullt worden, sondern war einfach völlig abwesend. Da war nur der weite Raum, der der Verstand ist. Alles Irdische und Menschliche war darin enthalten, aber sie waren ganz an den äußeren Rändern, schummerig und weit weg. Im Raum, wo nichts war, war eine Bewegung. Und diese Bewegung war Stille. Es war eine tiefe, weite Bewegung ohne Richtung, ohne Motiv. Sie begann an den äußeren Rändern und bewegte sich mit unglaublicher Kraft auf die Mitte zu - eine Mitte, die überall in der Stille vorhanden ist, in der Bewegung, die Raum ist. Diese Mitte ist völliges Alleinsein, unversehrt und unbeschreibbar, ein Alleinsein, welches keine Isolation ist, welche kein Ende und keinen Anfang hat. Es ist vollkommen in sich selbst, ist nicht gemacht. Die äußeren Ränder sind darin enthalten, machen es aber nicht aus. Es ist da, aber nicht im beschränkten Verstand des Menschen. Es ist das Ganze, aber man kann sich ihm nicht annähern.
(aus J. Krishnamurti, "Kommentare zum Leben" 3. Reihe)
Dies bringt uns zurück zu Dingen, die Will oft besprochen hat - zum flüssigen Licht, dem Wetterleuchten in der Wolke, die unsichtbaren Energien, die das Röntgenbild formen.
Es ist die klinische Erfahrung bei der Anwendung der Stille, diese totale Energie, dieser totale Körper, diese totale Kraft im Konzept des Behandlungsprogramms über das ich heute Morgen kurz sprechen möchte.
Ein Patient kommt herein mit einem beliebigen Problem. Wenn ich mit seiner Geschichte fertig bin - fertig bin mit der Unterhaltung, die nötig ist, bevor ich ihn auf dem Tisch habe - dann lege ich meine Hände auf die entsprechende Problemstelle und versuche, die Stille zu fühlen. Nicht einen Stillpunkt, sondern eine Stille, die dieses Individuum ist. Du kannst Dir der Stille nur bewusst werden, du kannst sie nicht mit deinen Händen fühlen. Die Stille ist das, was jedes Molekül dieses lebendigen Körpers zentriert. Die Körperphysiologie ist der äußere Ausdruck dieser Stille. Sie ist in vollkommener Einheit, in ausgeglichenem Austausch. Bei Gesundheit ist dies ein frei fließender Austausch. Bei Krankheit und Trauma werden Unfähigkeitsmuster gebildet, die die Stille in sich haben. Die Energie der treibenden Kraft ist also in diese Unfähigkeitsmuster eingebaut, genau wie in der Gesundheit.
Die Unfähigkeitsmuster sind da aufgrund von all der Faktoren, die sie verursacht haben - die Verdrehungen, die Dehnungen, das Endotoxin, was auch immer.
Die Unfähigkeitsmuster sind präsent und auch sie sind abhängig von der treibenden Kraft der Stille. Die Körperphysiologie entscheidet sich nicht dafür, diesen Körper weiter in Krankheit oder im Trauma zu sein. Sie entscheidet sich dafür, das Problem zu korrigieren, zurück in Richtung freien Austausch und Funktion mit Stille - ein Zustand, den wir Gesundheit nennen.
Wenn ich nun also meine Hände auf diesen Patienten lege, dann stelle ich einen fühlbaren Kontakt her mit denkenden, fühlenden und wissenden Fingern. Ich erfasse das Problem mit dem Wissen der Körperphysiologie dieses Teils des Körpers - eine vollständige Synthese von Verständnis, welches den Bändermechanismus, seine Flüssigkeitsdynamiken, den Austausch der Lymphe, den arteriellen Blutfluss und den venösen Abfluss beinhaltet. Das ganze Bild unseres Trainings ergibt ein dynamisches Verständnis dessen, was ich fühle, was unter meinen Händen ist. Sobald ich die Stille als treibende Kraft, die diesen Fall lenkt, wahrnehme, beginnen meine Hände, die Verlagerung der Elemente der Körperphysiologie und ihre Reaktion auf die treibende Kraft, die von der Stille ausgeht, wahrzunehmen und zu fühlen. Es ist mehr als nur ein Gefühl von Bewegung. Es ist ein lebendiges Gebilde von Austausch, welches da stattfindet. Es ist ein wahres physiologisches Bild der Physiologie der Körpermuster, wie es in diesem jetzigen Problem existiert, das in unsere Praxis gebracht wird.
Meine Hände fühlen das ganze Muster des Krankheitsprozesses und des traumatischen Vorgangs - alle Elemente der ganzen Körperphysiologie, die sich als traumatischen oder krankhaften Funktionsprozess in diesem System manifestieren. Meine Hände - meine denkenden, fühlenden und wissenden Finger - können die äußeren Manifestationen des Lebens als Zeit, Raum und Bewegung in diesem Problem des Patienten fühlen. Dies kann von den Händen und den Sinnen erfühlt werden. Dies kann auch in der Art und Weise, wie der Patient geht, beobachtet werden und kann aus der Art, wie er seine Geschichte dem Arzt schildert, gehört werden. Es sind die gefühlten Erfahrungen des Patienten, was dieses Problem bei ihm verursacht hat und all das steht auch dem Arzt durch seine Sinne zur Verfügung.
Bis jetzt haben wir zwei Punkte besprochen. Der eine ist das Bewusstsein oder die Wahrnehmung von Stille als ein Produkt des Verstandes. Das ist der Nutzen des Verstandes. Es ist die Fähigkeit, die Stille wahrzunehmen, sie zu kennen und zu erfahren und dies muss durch das Bewusstsein und die Wahrnehmung des Verstandes geschehen.
Der zweite Punkt ist, dass dieser Mechanismus fühlbar ist von denkenden, sehenden, fühlenden und wissenden Fingern. Es ist möglich, die Veränderungen, die in den Geweben durch die Stille vor sich gehen, zu spüren. Wenn wir uns bewusst werden, dass sie ihre Arbeit im Patienten verrichtet, dann haben wir ein Gesetz physiologischer Funktion, die ihre eigene unbeirrte Potency manifestiert. Lass´ mich dies ein wenig anders sagen: Wir lassen sich die innere, physiologische Funktion manifestieren als Folge von Potency oder Stille in Aktion in diesem Patienten.
Ich als Arzt, bin mir tief bewusst, dass ich durch meine denkenden, fühlenden und wissenden Finger die Erfahrungen von Bewegungen, Beweglichkeit und Funktionen, die sich innerhalb der Krankheit und dem traumatischen Befinden dieses Patienten abspielen, teile. Durch die Synthese meines anatomischen und physiologischen Wissens und wie ich die Ganzheit der Körperphysiologie, wie sie sich in diesem Patienten darstellt, sehe, erfahre ich bewusst, und bin mir bewusst, dass ich die Erfahrung dieses traumatischen oder krankhaften Prozesses in der Körperphysiologie erlebe. Aufgrund meines anatomischen und physiologischen Wissens und meines Verständnisses davon, wie es im Körper funktioniert, bin ich in der Lage, zu fühlen, wie diese Funktionen stattfinden, während sich die treibende Kraft der Stille in Aktion entlädt.
Nun wird der Behandlungsvorgang, bei dem die Stille verwendet wird, einfach. Man strebt danach, den Austausch zu verstehen und zu fühlen - den rhythmischen Austausch, den vollständigen Austausch mit der Stille. Die Stille ist das, was wir bewusst wahrnehmen, im Zentrieren des ganzen Wesens des Körpers, mit dem wir arbeiten. Wir sind uns der völligen Stille innerhalb dieses Patienten bewusst. Wir sind uns der Stille bewusst. Wir können mental fühlen - mit dem Verstand, mit dem Bewusstsein mit der Bewusstheit. Wir wissen, dass wir diese Stille haben. Wir sind uns dessen sehr bewusst.
Mit unseren Händen auf diesem Problem, welches tief in unserem Patienten ist, sei es nun ein traumatischer oder ein krankhafter Prozess, können wir den Austausch fühlen, der zwischen der universellen, dynamischen und lebendigen Stille und der Krankheit oder dem traumatischen Problem stattfinden, mit dem wir arbeiten. Wir können dieses fühlen mit denkenden, fühlenden und wissenden Fingern. Wir können den Austausch zwischen der Stille und dem Problem fühlen. Wenn wir dann diesen Austausch fühlen können, wie er aktiv stattfindet zwischen der Stille und dem Problem - wenn wir fühlen, dass die Körperphysiologie Teil davon geworden ist und die Stille im und mit dem Problem teilt, und im Austausch damit steht, den traumatischen und krankhaften Prozess im Körper umzuwandeln - dann wissen wir, dass unser Behandlungsprogramm beendet ist für diesen Tag, denn das ist alles, was die Körperphysiologie braucht. Es geht um das Zulassen. Soviel von diesem Problem, wie an diesem Tag möglich ist, wird zurück umgewandelt in die Stille.
Lass uns hier einen kleinen Vergleich anstellen. Wir haben unsere Stille, die alles antreibt, was ist und die die Quelle ist für jegliche Energie für die Körperphysiologie. In der Gesundheit haben wir eine Körperphysiologie, die mit der Stille im Austausch steht.
Lege deine Hände unter eine beliebige gesunde Stelle des Patienten und fühle die Stille.
Fühle die Körperphysiologie des gesunden Bereichs und wie er im freien Austausch mit der Stille steht. Fühle den vollständigen Austausch der Energiekräfte, die von der Stille ausgehen.
Es geht um die Wahrnehmung der Tatsache, dass es einen Austausch zwischen Stille und Gesundheit gibt. Es fließt genauso viel Energie in die Körperphysiologie wie auch wieder zurückfließt, um in Stille umgewandelt zu werden. Es gibt einen vollständigen Austausch - eine Ebbe und Flut. Wenn du mit deinen Händen auf einem gesunden Körperbereich bist, fühlst Du diesen Austausch von Stille und Gesundheit im Körper als einen freien Austausch und völlige Umwandlung in beide Richtungen. Da gibt es kein Problem - da ist Freiheit. Mit deinen Händen unter einem Problem, teilst du die Erfahrung als Arzt, du teilst die Erfahrung des Problems im Patienten. Du erfährst, wie die Stille mit ihrer lenkenden Kraft den gesamten Körper zentriert. Du kannst den Austausch zwischen der Stille und dem Problem spüren. Du kannst die Verschiebung der Dynamik der Funktionen der Körperphysiologie fühlen, wie sie mit dem Problem zusammenhängt und wie sie danach strebt, wieder frei zu werden in seinem völligen Austausch mit der Stille. Das ist die Einfachheit, die Funktion der Körperphysiologie zu fühlen und gestaute Kräfte, Verspannungen, Anspannungen, Bänderzerrungen und Vergiftungen umzuwandeln. Das ist das Gefühl der umfassenden Organisation der Körperphysiologie, wie sie mit und durch die Energie der Stille ein Muster der Veränderung, der Korrektur bildet. So wird es zu einem Behandlungsprogramm, in dem die Gesundheit verbunden ist mit der Rückkehr zum freien Austausch zwischen der Körperphysiologie und der Stille.
Nun, ich habe dies möglicherweise nicht allzu gut ausgedrückt, Anne. Aber ich fühle ganz stark, dass wir die Möglichkeit haben, tiefer in das Studium der Stille einzutauchen. Ich glaube, dass wir als Arzt ausdrücklich das Recht haben, diese Stille zu einem lebendigen Teil unserer Dynamik bei der Diagnose, im Behandlungsprogramm und in der Gesundheitspflege bei unseren Patienten zu machen. Ich hatte dir schon früher von meinen Erfahrungen erzählt, dies bei der Selbstbehandlung anzuwenden. Ich wollte dabei nicht die Veränderungen, die in meiner Körperphysiologie stattfanden, fühlen, weil ich das subjektive Subjekt war, welches behandelt wurde, und ich mit meinen Sinnen die Veränderungen in meiner Körperphysiologie erfahren konnte. Mein Bewusstsein von Stille war ein Bewusstsein des Verstandes, eine Bewusstheit des Verstandes. Die physiologischen Reaktionen meines Körpers auf dieses Behandlungsprogramm für mich selbst waren fühlbar durch meine subjektive sinnliche Wahrnehmung der Körperphysiologie.
Wenn ich dies bei einem Patienten anwende, dann ist mein Verstandesbewusstsein auf der Ganzheit der Stille, welche die Ganzheit des Selbsts des Patienten ist, während meine Hände fühlen. Meine denkenden, fühlenden und wissenden Finger können fühlen, wissen und erfahren und mit der Körperphysiologie des Patienten die Dynamiken des Austauschs teilen, die zwischen dem Problem im Patienten und dem Bewusstsein der Stille im Patienten stattfinden. Wenn ich fühle, wie der Austausch stattfindet - mit meinen Händen als eine Art Fühlmechanismus und mit meinem Verstand als ein Bewusstsein, in dem sich die Stille mit der Körperphysiologie austauscht, dann ist die Behandlung vollendet. Die Herausforderung bei meinem Behandlungsprogramm ist, den Punkt zu erkennen, an dem ich weiß, dass dieser Austausch stattfindet, den Punkt zu erkennen, an welchem diese spezielle Behandlung zu Ende ist. Alles, was in einer Behandlung an einem bestimmten Tag stattfindet, wird bestimmt von der Toleranz des physiologischen Prozesses des Körpers - der Zeit, der Spannung, des Grads und der Dauer der Einschränkung, die im Patienten vorhanden ist. Das Problem wird in seiner vollen Fähigkeit antworten - in Verbindung zu allen Faktoren, die es verursacht haben. Und es wird bis zum Punkt der Toleranz antworten an diesem speziellen Tag auf diese spezielle Behandlung. Und so ist es meine Herausforderung, zu erkennen, wann dieser Austausch zwischen der Stille und der Körperphysiologie den Punkt des Austauschs erreicht hat, damit ich es für diesen Tag auf sich beruhen lassen kann. Genug, ich werde ein anderes Mal wieder mit dir reden, Anne.
Das Fulkrum
erschienen in "DO" Deutsche Zeitschrift für Osteopathie, 4/2006
Auszug aus dem Artikel von Thomas F. Schooley, D.O.
( OCA Journal 1953) - übersetzt von Tom Esser
Wenn alle Materie Bewegung hat, und wenn alle Bewegung in ihrer primären Phase fluktuiert, und wenn die Fluktuation aus zwei Zyklen besteht, einer expansiv der andere kontraktiv, dann muss diese Fluktuation rhythmisch sein.
Wenn eine Phase die andere beeinflusst, dann muss es zwischen den zwei Phasen der Fluktuation einen energetischen Austausch geben.
Wenn Fluktuation in aller Materie vorkommt, so muss es einen zentralen Punkt geben wovon sie ausgeht, in welchem es keine Bewegung gibt, und dieser wird als Fulkrum bezeichnet.
Ebenfalls darf man bedenken dass es ein Fulkrum in jedem Atom, jedem Molekül und jeder Masse von Materie gibt.
Wenn sich das Fulkrum einer fluktuierenden Bewegung im Zentrum einer bestimmten Masse befindet, so zeigt dies, dass es keine anderen Krafteinwirkungen gibt, die diesen normalen rhythmischen Austausch von Energie beeinflussen, und man nennt dies einen Zustand von: "In Balance mit der Umgebung sein".
Wenn aber eine Kraft von außen auf die Masse einwirkt, die nicht gleichmäßig auf die Außenfläche verteilt ist, dann gibt es eine Verschiebung dieses Zentrums der Fluktuation oder Bewegung so weit hin zu einem Ort, wo es möglich ist, eine kontinuierliche Fluktuation und somit einen Status des Seins aufrecht zu erhalten. Dieses jedoch verschiebt auch das Fulkrum der Bewegung zu einem anderen Ort in der Masse der Materie. Wenn das Fulkrum im Zentrum der Bewegung liegt, so ist es ebenfalls das Zentrum der Kraft oder die Energie, von der die Bewegung ausgeht.
Wenn man davon ausgeht, dass es in einem Fulkrum keine Bewegung sondern nur Energie gibt, so muss man ebenfalls davon ausgehen, dass es keine veränderte Funktion der Materie am Fulkrum geben kann weil Funktion eben Bewegung braucht. Deshalb kann man, wenn man die Bewegung und Funktion im Zentrum eines solchen Fulkrums anregt oder wieder in Gang setzt, die Masse der Materie kontrollieren und sie somit zu einer Bewegung hin zu einem natürlicheren Zustand ihres Seins bewegen. (In welcher Art es erschaffen wurde, zu funktionieren.)
Dieses erreicht man, indem man das Zentrum des Fulkrums hin zur Gegend der veränderten Funktion führt und somit der Bewegung erlaubt, dass sie sich selber zu ihrem natürlichen Zustand adjustiert.
Einleitung in die Biodynamik der Osteopathie im kranialen Bereich
(Ein Interview mit James Jealous, Auckland, Neuseeland, Februar 2004)
erschienen in "Osteopathische Medizin - Zeitschrift für ganzheitliche Heilverfahren"
7. Jahrgang Heft 3/2006
Übersetzung: Tom Esser, D.O., Berlin

Jim S. Jealous D.O. wurde, nach eigener Aussage, 1940 als "Osteopath" geboren und wuchs in Maine (USA) unter Osteopathen auf. Schon mit 14 Jahren jobbte er im Osteopatischen Krankenhaus in Maine, mit 18 Jahren studierte er dort Radiologie. 1965 begann er sein osteopathisches Medizinstudium am Osteopathie-Kolleg in Kirksville, Missouri. Zu dieser Zeit war er "Fellow" in Anatomie und unterrichtete schon die unteren Jahrgänge. Er graduierte 1970 und absolvierte sein Anerkennungsjahr am osteopathischen Krankenhaus in Maine. 1966 machte er seinen ersten Kurs mit der SCTF (Sutherland Cranial Teaching Foundation; von Sutherland selbst gegründet), wurde dann etwas später Mitglied und war mit im Vorstand bis 1993. Er begann 1975 dort zu unterrichten, mit Rollin Becker als Mentor. 1973 traf Jealous Dr. Ruby Day, eine der ersten Schülerinnen und spätere Kollegin Sutherlands, die ihn bis zu ihrem Tod Mitte der achtziger Jahre als einzigen Schüler unterrichtete. 1978 lernte er Alan R. Becker kennen und hatte auch mit ihm einen regen Austausch über das PRM. Er gründete 1988 zusammen mit Dr. Hogopian und Anne Wales die New England Osteopathic Studygroup und 1987 die Anne Wales Studygroup mit Sue Turner und Stuart Korth aus England. Von 1971-1998 unterrichtete er Osteopathieschüler in seiner Praxis in Maine. Seit 10 Jahren ist er der Präsident des Osteopathischen Zentrums für Kinder in London. Er hat eine Auszeichnung als Professor für das New England College of Osteopathic Medicine und unterrichtet dort seit 1978. Sein eigenes Konzept "The Biodynamics of Osteopathy" unterrichtet er seit 1994 weltweit. Er lebt momentan in New Hampshire und verbringt viel Zeit in der Natur, um sein Lehrmodell zu verfeinern.
Interviewer: Dr. Jealous, erzählen Sie uns, warum sie sich entschlossen haben, das Modell Biodynamik zu nennen.
J. Jealous: Das ist eine lange Geschichte, aber ich werde versuchen, mich so kurz
wie möglich zu fassen.
Im Hinblick auf
die Sprache bzw. Terminologie in der
Osteopathie liegt uns derzeit sowohl ein
biomechanisches Modell als auch ein
funktionelles Modell der Behandlungsprinzipien
und auch der Diagnostik vor.
Sehen wir uns das biomechanische Modell
genauer an, so befassen wir uns
eigentlich mit axialer biomechanischer
Bewegung, die zwischen Segmenten
stattfindet. Dabei ist der Endpunkt der
Behandlung dann erreicht, wenn wir
eine Normalisierung des Bewegungsausmaßes
zwischen den Segmenten bekommen.
Funktionelle Technik fängt eigentlich
an dem Punkt erst an. Vom Endpunkt
der Biomechanik ausgehend, also
der intersegmentalen Bewegung, die
leicht ist, war der nächste Schritt möglich
- der meiner Meinung nach auch der
nächste evolutionäre Schritt in der
Osteopathie war: Es fand jemand heraus,
dass man diese Bewegung nutzen konnte,
anstatt wie gehabt an die Grenze zu
gehen und wirklich Kraft einzusetzen,
um eine Bewegung in Richtung "Ease"(Leichtigkeit) zu ermöglichen. Wenn wir
also bei somatischen Dysfunktionen beginnen,
in Richtung "Ease" zu gehen,
findet während des therapeutischen Prozesses
eine völlig andere Art der Aktivität
statt. Es kann sein, dass wir bei der
funktionellen Technik im Anschluss an
den Beginn einer Bewegung in Richtung"Ease" bei etwas enden, was wir den
Neutralpunkt nennen. So erweitern wir
beim Übergang von biomechanischen
Prinzipien zu funktionellen Prinzipien
eigentlich auch unsere Sprache bzw. Terminologie.
Der Neutralpunkt ist etwas sehr, sehr
Spezifisches, wobei wir im Grunde genommen
keinen Gewebewiderstand
mehr unter unseren Händen spüren.
Dazu wurde zunächst eine Läsion in
Richtung "point of balance" (Balancepunkt)
gebracht. Anschließend wurde
versucht, die Bewegung bis zu einem
Punkt zu verfeinern, bei dem es sich anfühlt,
als wenn der Wind vorbei wehen
könnte und die Läsion tatsächlich repositionieren
oder wieder Bewegung in ein
Läsionsfeld bringen könnte. Das Interessante
bei der funktionellen Technik ist,
dass der Therapeut nur die Hälfte der
Arbeit macht. Bei der biomechanischen
Technik kommt alle Kraft vom Therapeuten.
Aber bei der funktionellen Technik
ist unser Job halbiert. Alles was wir
machen müssen, ist, diese Läsion in
Richtung "Ease" zu bringen, und sie
zum Neutralpunkt zu bekommen. Die
eigentliche Behandlung geschieht jedoch
durch die Kräfte der thorakalen Atmung,
die durch das Läsionsfeld hindurchgehen,
welches jetzt im Neutralpunkt ist
- suspendiert, frei. Von dort aus beginnen
die Kräfte sich durch die gesamte
Wirbelsäule als eine Funktionseinheit
durchzuarbeiten. So schaut man sich am
Endpunkt der Behandlung nicht so sehr
die segmentale Veränderung an, da man
das gesamte muskulo-skeletale System
als eine Funktionseinheit betrachtet. Bei
funktioneller Technik bekommen wir
deshalb ein Gefühl für das Ganze. Wir
haben zum einen den Neutralpunkt und
zum anderen die Vorstellung, dass der
Endpunkt nicht zwischen Segmenten
liegt sondern zwischen dem Ganzen und
dem Segment. Es ist ein völlig anderes
Behandlungsprinzip, und ich denke, es
hat therapeutisch viel mehr Tiefe, sofern
diese beiden Dinge gegeben sind.
Eines der Dinge, die Dr. Becker mir bei
meiner Ausbildung beibrachte - ich
werde jetzt nicht die ganze Geschichte
erzählen, obwohl sie ziemlich lustig ist -
war, dass man eine Behandlung mit primärer
Respiration solange nicht beginnt,
bis der Patient im Neutralpunkt ist.
Nachdem er mir das gesagt hatte, musste
ich noch etwa 5 Jahre sehr hart arbeiten,
um damit aufzuhören, die biomechanischen und funktionellen Techniken
einzusetzen, die ich viel genutzt habe. So
kam es, dass der Endpunkt der funktionellen
Technik zum Anfangspunkt für
die Behandlungen wurde, die ich von
meinen Lehrern gelernt habe, sowohl
von Dr. Becker als auch von Dr. DayA
und anderen. Es gab weder einen Namen
für diese Techniken, noch hat Dr.
Becker gesagt: "Warte, bis der Patient
zum Neutralpunkt kommen". Er sagte stattdessen immer: "Warte, bis der Wille
des Patienten dem Willen der Primären
Respiration nachgibt." Damals hatte ich
keine Vorstellung von dem, was er meinte.Über die Jahre haben wir dann wirklich
unsere Behandlungsweise verändert.
Anstatt uns weiterhin dem Patienten mit
einem Ansatz zu nähern, bei dem wir
unsere eigene Kraft anbringen - das ist
biomechanisch - oder indem wir ein Segment
zum Neutralpunkt bringen, warten
wir jetzt, bis der ganze Patient im Neutralpunkt
ist. Wendet man an diesem
Punkt bestimmte Prinzipien an, setzt ein
automatischer therapeutischer Prozess
ein, der im ganzen Patienten entsteht
und der nicht auf das muskulo-skelettale
System beschränkt ist. ... Es steht uns
eine völlig andere Behandlungskategorie
zur Verfügung, bei der der therapeutische
Prozess nicht die Kontaktstelle zum
Soma darstellt, sondern mit Struktur
und Funktion als einer Einheit von undifferenzierter
lebender Substanz in
Kontakt steht. Jetzt können wir nicht
wirklich sagen, dass wir funktionell arbeiten,
denn dann würden wir die Prinzipien
verletzen. Denn die Prinzipien
von sowohl biomechanischem als auch
funktionellem Modell arbeiten so, dass
das Soma das endgültige Behandlungsziel
ist: die Normalisierung des Soma,
Defazilitation des zentralen Nervensystems
und dann vielleicht ein viszeraler
Effekt des defazilitierenden
Prozesses. Bei der Biodynamik
mussten wir mit einer
ganzen Reihe neuer
Erklärungen aufwarten,
denn: wir befassen
uns nicht mit etwas,
dass durch das
zentrale Nervensystem
moduliert wird.
Mit anderen Worten,
wenn der Patient im
Biodynamischen Modell
zum Neutralpunkt
kommt, steht er
nicht unter Kontrolle
des zentralen Nervensystems.
Wir schauen
uns also die primäre
Respiration als ein therapeutisches
Mittel an. Wir betrachten das zentrale
Nervensystem nicht als die primäre therapeutische
Kraft. Und wir sehen die
Defazilitation nicht als den primären
Einflussfaktor an, der die Funktionsveränderung
im Organismus hervorruft,
was sowohl bei der funktionellen Technik,
als auch bei der biomechanischen
Technik geschieht.
Sieht man sich das Wort Biodynamik an,
so muss man sich meiner Meinung nach
zuerst daran erinnern, dass es sich bei
mir und vielen anderen Osteopathen bei
der kraniellen Arbeit nicht um kranielle
Knochen dreht. Es geht um primäre
Respiration. Wenn wir uns die Biomechanik
ansehen, betrachten wir den Therapeuten
als die primäre therapeutische
Kraft, die durch das zentrale Nervensystem
unterstützt wird, welches er niemals
fühlt. Also ist der therapeutische
Prozess dazwischengeschaltet. Er wird
nicht wirklich miterlebt oder bezeugt.
In einem funktionellen Modell macht die
Arbeit der Kliniker die Hälfte der Gleichung
aus. Anschließend führen eigentlich
der gesamte Organismus und seine
homöostatischen Mechanismen sowie
die Kräfte der primären Respiration den
Rest der Arbeit aus. Was der Kliniker
aber im Grunde sieht, ist, wie sich die
therapeutische Kraft systemisch ausbreitet.
Am Ende der Behandlung hat er eine
Vorstellung davon, wie weit diese Behandlung
im Bezug auf den gesamten
Organismus wirklich gegangen ist, anstatt
nur Veränderungen der Wirbelsäule
durch das Arbeiten an unterschiedlichen
Segmenten zu bewirken und durch
Bewegungstests sicherzustellen, dass sie
resynchronisiert sind.
Als wir dann zum Biodynamischen Modell
kamen, befanden wir uns zunächst
scheinbar in einer Sackgasse. Mit den
Lehrern, die ich hatte, haben wir, bevor
wir irgendwelche Namen oder so was
hatten, über Gewebe und Fluida und "Potency" gesprochen. Themen waren
auch der "fluid drive" (fluidischer Antrieb)
und longitudinale Fluktuationen.
Einige Lehrer haben an der "barrier"
gearbeitet, andere weg von der "barrier".
Das war alles sehr, sehr verwirrend. Was
wir eigentlich mit unseren Händen gemacht
haben, passte nicht zum Modell.
Wir mussten also einen Weg der Kommunikation
finden. Zudem lief der
Großteil des Osteopathie-Unterrichts im
kranialen Bereich, den ich erfahren habe,
mündlich ab. Die Bücher, die wir hatten,
trafen nicht annähernd den Standard der
Behandlungen, den ich bei den einzelnen
Osteopathen in den Praxen sah. Und
dann waren da natürlich Leute wie Dr.
Becker, die über die "long tide" sprachen.
Wir standen also vor diesem ganzen Gebiet
der Osteopathie im kranialen Bereich,
das überhaupt nichts mit den Knochen
zu tun hatte, und das wir anderen
irgendwie erklären
mussten. Dieser
ganze konzeptionelle
Prozess hat sich,
meines Erachtens, nur durch die Gnade
Gottes entwickelt.
Mitte der Achtziger sollte ich dann für
das SCTF einen Embryologievortrag halten
- meinen ersten. Ich habe etwas
nachgeforscht, und begann mich für
gewisse embryologische Felder zu interessieren.
Sutherland war ganz eindeutig
ein sehr, sehr weiser Mann, denn er
sprach in einigen seiner Schriften von
Aspekten der Embryologie, die man
nicht so leicht finden kann, außer man
gräbt wirklich richtig tief in den Büchern.
... Es ist ganz offensichtlich, dass
er sich auf großartige Weise mit der Embryologie
sehr beschäftigte. Letztendlich,
um die lange Geschichte kurz zu fassen,
habe ich die Arbeiten von Dr. Blechschmidt
aus Deutschland gelesen.
... Am
Ende von Blechschmidts Büchern über
die Biokinetik und Biodynamik der
menschlichen Entwicklung, habe ich die
ganzen Bilder über metabolische Flüssigkeitsfelder
entdeckt. Da waren Bilder mit
Pfeilen, die zu einander zeigten und Bilder
mit Pfeilen, die weg voneinander
zeigten sowie Bilder mit Pfeilen in entgegengesetzte
physiologische Richtungen. Auch Kompression und "disengagement" (Auseinandergehen) waren abgebildet.
Ich habe mir all diese Bilder
angesehen und ich erinnerte mich an die
Bilder in Magoun: therapeutische Bilder,
die die Therapie beschrieben. Und es
sind tatsächlich die gleichen Bilder. Ich
erinnere mich genau an den Moment, in
dem ich sagte: "Mein Gott, diese Männer
haben sich die gleiche Sache angesehen".
Ich weiß, dass Magoun nicht über fluidische
Kräfte gesprochen hat, er sprach über Gewebekräfte. Aber ich hatte eine
wirklich gute Ausbildung in Kirksville
und kannte den Unterschied zwischen
direkter Aktion, indirekter Aktion, entgegengesetzter
physiologischer Bewegung, "Exageration" (Übertreibung), Dekompression,
Disengagement und all
dem. Ich hatte auch über "automatic
shifting" gelesen. Ich begann also,
Sutherland zu lesen. In einem Abschnitt
begann er über Flüssigkeitsfluktuationen
zu sprechen, über die eigene Bewegung
der Fluida. Und dass die Fluida eigentlich
eine Behandlung durchführen konnte
und niemals einen Fehler machte. Er
sagte, dass diese Flüssigkeitsfelder "unerring Potency" (unfehlbare Kräfte)
besaßen. Und ich dachte mir: 1. das ist
schon ein grandioser Satz, 2. war Dr.
Sutherland ein sehr präziser Mensch,
und er war kein Mensch, der übertrieb.
Meiner Meinung nach untertrieb er die
kranielle Arbeit mit Absicht. Und so gingen
meine Gedanken weiter: Weißt Du,
Sutherland sagt, dass diese Fluida niemals
einen Fehler machen, und dass sie
all die Arbeit ausführen. Und dieser
Embryologe (Blechschmidt) sagt, nachdem
er 25 Jahre durch ein Mikroskop
geschaut und diese Embryos betrachtet
hat, dass er niemals gesehen hat, dass
diese Embryos einen Fehler gemacht
haben. So sagen also diese beiden Männer
exakt genau das Gleiche.
Ich schaute noch in ein anderes Buch,
von einem Mann namens HahnB über
die molekulare Basis der Embryologie.
Auch er sagte, dass er niemals gesehen
hat, dass Embryos Fehler machen. Jetzt
kenne ich also drei Personen, die meine
Psyche beeinflussen, und mir sagen:
Warte mal eine Minute, da ist irgendetwas
in diesen fluidischen Feldern, das
intelligent ist, das sein eigenes Gehirn
hat und das seinem zentralen Nervensystem
voraus geht und eigentlich die
Entwicklung des zentralen Nervensystems
hervorruft. Wir schauen uns jetzt
also möglicherweise eine therapeutische
Kraft an, welche die Gleiche ist, wie die
embryologischen Kräfte von Wachstum
und Entwicklung. Was
wir uns jetzt über die
Jahre eigentlich vorgestellt
haben, und was
für uns ganz gut zu
funktionieren scheint,
ist, dass Dr. Sutherlands "Fluid dynamics" (fluidische
Dynamik) genau das gleiche ist
wie die Dynamik in den embryologischen
Feldern.
Wenn Dr. Sutherland wollte, dass die
Fluida die eigentliche Behandlung ausführen,
musste er den Patient zum Neutralpunkt
bringen. Liest man in "Contributions
of Thought" vom 12. April 1948
nach, so schreibt er sehr deutlich, dass
sein Endpunkt für einen CV-4 ein Neutralpunkt
im Patienten ist. Meiner Meinung nach legte Dr. Sutherland sehr klar dar, dass er mit den lateralen und longitudinalen Fluktuationen des Liquor cerebrospinalis arbeitete, um einen Neutralpunkt hervorzurufen, damit ein "automatic shifting" stattfinden kann. Dieses "automatic shifting", das wir nach dem Neutralpunkt wahrnehmen, ist der gleiche Prozess, der während Wachstum und Entwicklung in den biokinetischen Feldern des Embryos passiert. Um das herauszufinden, brauchte ich nur 10 Jahre, so schlau bin ich. Aber es ist doch sehr eindeutig, wenn man anfängt, darüber nachzudenken - stimmt´s?
Wenn wir nun die Behandlung eines Patienten am Neutralpunkt der Fluida beginnen, und mit bestimmten Prinzipien arbeiten, die den automatischen therapeutischen Kräften in der Fluida erlauben, zu wirken, betrachten wir das zentrale Nervensystem nicht mehr als unsere primäre therapeutische Kraft. Dieser Ansatz entfernt uns vom Funktionellen und bringt uns weg vom Biomechanischen. Also, was machen wir jetzt? Wir haben eine völlig andere therapeutische Kraft, mit der wir arbeiten. Keiner weiß, wo deren Ursprung liegt. Dr. Blechschmidt sagte, die Fluida sind biodynamisch. Seiner Meinung nach sei die Kraft hinter der Präzision von Wachstum und Entwicklung und dem fluidischen Körper, in der Osteopathie hinter dem Therapeutikum, eigentlich eine Intelligenz, die nicht an irgendeinem Ort lokalisiert ist. Dr. Blechschmidt sagte auch, dass nur der Embryo das wirkliche Geheimnis, wo diese Kraft herkommt, kennen würde. Na ja, dass war interessant für ihn, aber was bedeutet das für uns? Wir hatten diese direkte sensorische Erfahrung "mit dem See um uns herum" (Anmerkung der Redaktion: eine von Sutherlands Metaphern), so dass kranielle Osteopathen, die sich das Kranielle nicht nur im Zusammenhang mit den Knochen angesehen haben sondern tatsächlich mit der primären Respiration, seit vielen, vielen Jahren schon über Dinge wie "long tide" und das Fühlen von Dingen im Raum gesprochen haben. Und dann sprach Dr. Blechschmidt, der Embryologe, davon, dass der Embryo eigentlich ein Ausdruck seiner unmittelbaren Umgebung ist. Dass, wenn wir die unmittelbare Umgebung des Embryos verändern, er sein Wachstumsmuster verändern wird. Bei Kindern sei das das Gleiche. Also, was ist das Ideal? Was ist die ideale Umgebung, was ist die normale Umgebung für das menschliche Nervensystem? Das ist eine große Frage. Fassen wir das zusammen: Im Grunde gibt es zwischen den Augen und dem Horizont diesen riesigen Raum, in den wir eingestimmt sein sollten. Das ist zufälligerweise der Raum, in dem wir die primäre Respiration fühlen. Und ich denke, sowohl Blechschmidt als auch Sutherland waren auf derselben Seite. Sie sprachen beide von einer "unmittelbaren Umgebung" - wir reden hier jetzt über die Natur, wir reden nicht über Straßenverkehr und was sonst so los ist! Wir reden darüber, dass die natürliche Umgebung, die unmittelbare Umwelt, durch welche diese Kräfte diese Fluida beeinflussen, das Perfekte zu machen, wahrscheinlich aus der direkten Umgebung der primären Respiration hervorgeht. Wir hatten also einen Namen dafür. Wir hatten auch eine direkte sensorische Erfahrung, die wir duplizieren und unterrichten konnten. Ich habe das herausgefunden - ich habe von keinem Osteopathen über diesen Teil etwas gefunden. Niemand hat mir das je beigebracht. Jeder hat mit Becker darüber gesprochen, aber wir bekamen keine Antworten. Ich habe viel von meiner Lebenszeit in der Wildnis verbracht. Ich habe "den See um uns" und die "long tide" bei meinen Expeditionen in der Wildnis richtig gefühlt. Durch diese Kombination - dass ich unglaublich lange Zeitabschnitte in den Wäldern verbracht habe und von Dr. Becker, Dr. DayA, Blechschmidt und Sutherland sowie insgesamt viel lernen konnte - kam es eigentlich erst dazu, dass ich letztendlich, als ich Mitte der neunziger Jahre gebeten wurde, Kurse abzuhalten, sagte: Naja, wir müssen dem Ganzen einen Namen geben, denn es ist nicht funktionell, es ist nicht biomechanisch. Die Behandlungsprinzipien sind völlig andere als bei irgendeiner anderen Behandlungsmethode. Also kamen wir zu dem Wort "Biodynamik", weil es akkurat ist. Das war eine kurze Antwort - oder?
Interviewer: Können Sie mir bitte etwas darüber erzählen, was sie als die Bewusstseins- Fähigkeit, "awareness faculty", beschreiben.
J. Jealous: Über Bewusstsein wissen die meisten Leute Bescheid, Meditation kennen die meisten, und was Selbstwahrnehmung angeht, so denke ich, dass viele wahrscheinlich Carl Jung gelesen haben. Im Grunde passiert in einer osteopathischen Ausbildung etwas sehr Limitierendes:
Wir sagen unseren Schülern, sie sollen die Hände auf den Körper legen und aufmerksam sein. Als ob sie wüssten, wie man so etwas macht. Man kann nicht einfach eine Person vom Computer oder vom Fernseher weg rufen, oder jemanden, der Bücher liest, und ihr bzw. ihm sagen, er solle die Hände auf einen menschlichen Körper legen, ihn aber nicht wie ein Buch lesen. Denn genau das ist es, was sie tun werden. Also ist eines der ersten Dinge, die wir den Schülern beibringen müssen - na ja, das erste was man auch tut - wie man mit Nebenwirkungen umgeht. Das zweite, was man macht, ist, dass man ihnen beibringen muss, wie sie ihr Bewusstsein natürlich sein lassen können. Die meisten Menschen wissen zunächst überhaupt nicht, wie sie ihre inneren Wahrnehmungen einsetzen können. Sie haben einfach kein Bewusstsein dafür. Das erste Prinzip, wie man lernt mit dem Bewusstsein zu arbeiten, ist also, zu lernen, wie man die Aufmerksamkeit zwischen den therapeutischen Kräften und dem Läsionsfeld im Patienten aufteilt. So bringen wir den Schülern bei, die Läsion zu fühlen. Wir bringen ihnen bei, anstatt sich nur auf die Läsion zu konzentrieren, sich auch auf die Anwesenheit der primären Respiration im Ganzen zu konzentrieren. Wir fangen also an, die Aufmerksamkeit zu teilen: zwischen dem, was lokal passiert und dem, was systemisch passiert. Sieht man sich jetzt richtig gute Osteopathen an, unabhängig davon, ob sie biomechanisch orientiert sind oder funktionell, oder beides - denn viele Leute sind das - und verfolgt, wie sie reifen, bis sie ca. 25 Jahre Praxiserfahrung haben, so fällt Folgendes auf: Sie behandeln lokal, aber sie beobachten das Ganze. Ich meine, sie machen das einfach. Wir müssen also Menschen darin ausbilden, ihr Bewusstsein zu öffnen und zu erweitern. Wir bilden sie nicht wirklich darin aus, wie sie ihr Bewusstsein benutzen, das wissen sie schon. Wir müssen alle die ganzen schlechten Angewohnheiten loswerden. Die Menschen starren: Sie sind gewohnt in den Fernseher zu starren, sie sind gewohnt Computer anzustarren. Zudem gibt es in der westlichen Welt viel Augenkontakt. Und so ist keiner daran gewöhnt, die Person, mit der er spricht, so anzusehen, als wenn er in einem Ozean sitzen würde. ... Also, wenn ich hier sitze und Sie ansehe, sehe ich Sie, aber der Kontext, indem Sie sich befinden, ist dieser riesige Ozean. ... Also sind Sie wie dieser kleine Fisch im Ozean. ... Man bringt also die Schüler dazu, den Hintergrund und den Vordergrund zu sehen - beide zusammen, solange, bis wir den Hintergrund in den Vordergrund schieben können. Wenn wir einmal den Hintergrund in den Vordergrund gerückt haben, können wir einen neuen Hintergrund dazu bringen. Was letztendlich passiert, ist, dass jeder Einzelne irgendwann den therapeutischen Prozess beobachten kann und auch das Läsionsfeld, alles auf einmal. Bewusstsein ist also wirklich eine sehr große, große Sache. Ich bin wirklich der Meinung, dass Menschen den Umgang mit Bewusstsein nicht lernen können, ohne Zeit alleine zu verbringen, in der unberührten Natur. Ich denke nicht, dass es anders möglich ist.
Interviewer: Gibt es eine Weise, in der sich Menschen um diese bestimmte Fähigkeit kümmern sollten? Was denken Sie?
J. Jealous: ... Beobachtet man die Gedanken, so planen Menschen in unseren Breiten 99% der Tageszeit - sie planen, sie schmieden Pläne. Es gibt keinen Raum für sie, im Sinne Stills, eine Erfahrung mit dem Leben zu machen. Möchte man sich um sein Bewusstsein kümmern, so muss man viel Zeit damit verbringen, nicht auf Informationen zu reagieren, die auf die Sinne einwirken. Wenn man mit dem Auto herumfährt, nimmt man in nur 10 Minuten über den Kopf mehr Informationen auf als man in einem ganzen Leben nutzen kann. So müssen wir lernen, das man seinen Geist leise sein lässt - ihn leise sein lässt, ihn nicht leise hält - und wie man ihn einen völlig anderen Teil an Informationen wahrnehmen lässt. Setzt man 4 Leute an einen Esstisch, ..., wären wir erstaunt, was dabei herauskommt, wenn man jeden einzelnen bitten würde, eine Geschichte darüber zu schreiben, was sie beim Essen gemacht haben. Seine Wahrnehmung zu nutzen heißt nicht, andere auszuspionieren oder zu versuchen, besser als eine andere Person zu sein. Man nimmt eigentlich den Moment wahr. Man nimmt Unglaubliches wahr. Man fühlt diese Bewegung der primären Respiration während des Tages, nicht nur, wenn man am Patienten arbeitet. Man wäre in der Lage, Vorträgen zuzuhören und seine Aufmerksamkeit zu teilen. Es ist völlig unnatürlich, seinen Geist (seine Gedanken) nicht an zwei Stellen auf einmal zu haben. Wir sind konstruiert, so zu funktionieren. Wenn Sie mir diese Frage stellen, ist es für mich so, dass ich zuerst sehe, wie viel Leiden entsteht, wenn man sich nicht darum kümmert. Ich sehe, wie viel Leid es bringt, weil Leute sich nicht selbst ausbilden und sich Zeit nehmen, ihre Aufmerksamkeit zu teilen. Und wenn man sie geteilt hat, und man sich über den See um uns bewusst ist, hat man eine völlig andere Erfahrung, als die Person, die einfach verschlossen ist. Was noch wichtiger ist: Ist es denn gesund, wirklich zu versuchen, seine Aufmerksamkeit auszubalancieren? Wir wissen, dass dabei der Blutdruck und Puls sinkt, die Atmung sich verlangsamt. Wir wissen, dass es Ihre Geduld fördert. Und es gibt einem auch das Gefühl, als wenn man in einer großartigen Weise ein Teil des Lebens ist, anstatt sich nur mit "dem kleinen Beruf" zu identifizieren. Im eigentlichen Sinne heißt das, möchte eine Person das Gefühl haben, sich wohl zu fühlen, so muss sie richtig daran arbeiten. Hinzu kommt, dass es dafür kein Unterstützungssystem gibt. Sollten Sie sich also entschließen, mit Ihrem Bewusstsein zu arbeiten und sich darum zu kümmern, werden Sie nicht viel Unterstützung bekommen. Sie müssen sich darauf wirklich richtig einlassen. Es ist eine große Verpflichtung. ...
Interviewer: Eine abschließende Frage:
Dr. Jealous, wie wäre es, wenn Dr. Still
zu einem ihrer Kurse kommen würde?
Wie würde er über die Sachen denken, über die Sie sprechen? Was fühlen Sie in
ihrem Herzen?
J. Jealous: Das einzige, was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass er wissen würde, dass ich versuche, die Wahrheit zu sagen. Ob ich die Wahrheit sage oder nicht, ist irrelevant. Aber ich denke, er würde wissen, dass es aus der richtigen Stelle kommt: aus der Liebe für die Osteopathie. Und ich denke, dass ist das einzige, was ihm wichtig wäre, nicht das "wie" ... - das Modell ist nicht so wichtig, wie das, was mit den Patienten passiert, wenn sie gesund werden. Dieses Modell ist eigentlich dazu konzipiert, sich in ein Besseres aufzulösen. ...
Automatic Shifting
Alice R. Paulson D.O.,
erschienen in "DO" Deutsche Zeitschrift für Osteopathie, 4/2005
Im Dezember 1949 machte ich meine erste Erfahrung mit "automatic shifting" in all seinen Phasen. Der Patient war Dr. William Sutherland, er beschrieb während seiner Behandlung den gesamten Prozess sehr ausführlich. Es war eine äußerst wertvolle Erfahrung und seine lebendige, positive Erläuterung dazu war von großer Wichtigkeit für mich und damit bleibt es immer in guter Erinnerung.
Auf dem Weg zu meinem wöchentlichen Besuch zu Dr. Sutherland ging ich nochmals die Notizen meines Seminars und der Arbeitsgruppe in St. Peters des letzten Monats durch. Es war sehr schwer sich vorzustellen, dass man durch das Dirigieren der Fluktuation der zerebrospinalen Flüssigkeit (CSF) einen Austausch der Körperflüssigkeiten bekommen könnte. Ich konnte nicht ganz verstehen, wie lange es dauert bis dieser Prozess beginnt. Rein durch die Einleitung der lateralen Fluktuation durch eine alternierenden Bewegung der Temporal Knochen in Außen- und Innenrotation. Um etwas Licht in dieses Thema zu bringen, entschied ich, meinen Lehrer zu fragen. Die Antwort wurde mir in unerwarteter Weise gegeben.
Als ich Dr. Sutherlands Büro betrat, welches lange Zeit mein Klassenzimmer war, lag er auf dem Behandlungstisch. Sein Gesicht, seine Lippen und seine Ohren zeigten eine ungewöhnliche Farbe, ein Lavendel-purpurartiges Blau. Ich war ziemlich erschrocken, weil ich diese Verfärbung nie vorher beobachtet hatte. Ich fühlte seinen Puls, der sich zum Glück als normal erwies. Ich setzte mich auf den Schemel am Kopfende des Tisches, beobachte Dr. Sutherland und brachte mich in eine Rezeptive Stimmung, so wartete Ich auf einen neuen Impuls. Nach einer Weile stellte ich die Frage, wie man eine laterale Fluktuation der Rückenmarksflüssigkeit zu einer longitudinal Fluktuation ändert, um einen kompletten Austausch der Körperflüssigkeiten durchzuführen und wie lange es dauern würde.
Ich leitete eine laterale Fluktuation der zerebrospinalen Flüssigkeit ein, durch die alternierende Rotation der beiden Os temporale. Dies machte ich so lange, bis ich fühlte, dass der "Motor" startete und die Flüssigkeit aus eigenem Antrieb weiter strömte. Ich ließ dies geschehen, verweilte noch eine Weile mit meinen Händen auf seinem Körper und
wartete
auf eine Veränderung.
Nach sehr kurzer Zeit fühlte ich drei kräftige, sehr eindeutige und starke Wellen am unteren Anteil des Os occipitale, genauer, in der Region der Medulla- und Cisterna magna. Jedes Mal ein bisschen weiter aufwärts, gefolgt von einer eindeutigen Expansion und Kontraktion des vierten Hirnventrikels.
Dann fing Dr. Sutherland an, zu beschreiben, was er beobachtete hatte - jeder Schritt konnte einfach und definitiv von meiner sensomotorischen und propriozeptiven Wahrnehmung verfolgt werden. Diese drei Wellen waren eindeutig mit guter Amplitude und ohne Unterbrechung oder Störung. Ich fühlte eine Erweiterung des Foram magnum, das von einer Korrektur der Verschiebung des rechten Pars condylaris mit dem Pars basilaris des Os occipitale gefolgt wurde. Danach arbeitete eine diagonale Fluktuation am Pars petrosus des Os temporale und korrigierte letztendlich eine chronische Läsion des rechten Os temporale. Dadurch verschwand der Schmerz im zervikalen Bereich, der laut der Patientenunterlagen schon seit vier Jahren bestand. Durch weiteres "automatic shifting" der Flüssigkeit wurden auch der Oberkiefer und die anderen Gesichtsknochen reguliert.
Als, durch das Urteil der zerospinal Flüssigkeit, die Schädel und Gesichtsknochen zufrieden stellend gerichtet waren, fuhr das "automatic shifting" im Rest des Körpers fort. Nachdem eine Rippenblockade behoben war, konzentrierte sich die Aktivität auf die Lendenwirbelsäule und anderen Bereiche der Wirbelsäule. Während dieses Prozesses zentrierte sich die Fluktuation fühlbar in der Mitte des Schädels. Wir wurden über das Ende der Behandlung informiert, da es nach einer Weile zu einem Stillpunkt gekommen war, der von einer langen, voluminösen, sanften und gleichmäßigen Welle gefolgt wurde in longitudinaler Richtung.
Dr. Sutherland erhob sich vom Behandlungstisch mit dem Wunsch, "schreiben sie alles auf". Ich sagte, ich habe nichts getan.
"Oh, doch", antwortete er. "Sie leiteten die lateral Fluktuation der cerebrospinalen Flüssigkeit durch den so genannten "Pussy-foot" ein, indem Sie die temporal Knochen in Innenrotation hielten. Diese Methode lernte ich bei Dr. Sutherland in meiner ersten Stunde des Kranialkonzepts.
Mit dem gelernten in meinem Kopf wendete ich die Technik am nächsten Tag in meiner Praxis an. Es funktionierte gleichmäßig gut bei anderen Patienten mit ähnlichen zufrieden stellenden Resultaten. Einige erzählten, was sie empfanden während der Behandlung. Alle waren begeistert von den Ergebnissen. Das zeigt, dass diese Methode eine der effektivsten und einfachsten Behandlungen ist und sich in vielen Fällen anwenden lässt. Versuchen Sie es auch.
Le Mars, Iowa.
Management der Fluktuation der LCS
Auszug aus dem Artikel "The Management, reactions and systemic affects of fluctuation of the cerebrospinal fluid" von Anne Wales, D.O.
Frei übersetzt von Tom Esser aus dem "Journal of the osteopathic cranial association" von 1953
Der erste Schritt in der Organisation dieser Flüssigkeitsaktion ist es einen guten Kontakt aufzunehmen ohne diese in ihrer Aktivität zu stören. Dies könnte mit dem Wunsche eines Reiters, der ein Pferd besteigen möchte das in Bewegung ist, verglichen werden. Der Reiter muss auch in Bewegung sein um den Moment relativer Stille zu finden, der ihm erlaubt gut aufzusteigen. Einmal im Sattel, passt er sich der Gangart des Pferdes an während er gleichzeitig die Zügel greift. Wenn der Reiter die Kontrolle über sich und das Pferd erreicht hat benutzt er die Zügel um die Bewegung des Pferdes für seine eigenen Zwecke zu benutzen.
Um dies zu tun braucht er gutes Wissen und Verständnis der Reitkunst. Er kennt die unterschiedlichen Gangarten und Geschwindigkeiten und benutzt Zeichen, die das Pferd versteht um sie dann in die Praxis umzusetzen. Er weiß das eigenständige Wesen des Pferdes zu schätzen und bleibt deswegen im ständigen Kontakt mit den Zügeln und seinem festen Sitz im Sattel. Das Höchste der Reitkunst ist das Reiten ohne Sattel, diese Fähigkeit ist jedoch nur zu erreichen durch Erfahrung und viel Training.
Nur durch eine Veränderung der Geschwindigkeit kann das Pferd von einem normalen Gang in Traben wechseln. Es gibt einen Moment der Stille, bevor er zu einem kurzen leichten Trab wechselt. Ohne den Rhythmus zu wechseln kann er von einem kurzen leichten Galopp (Kanter) ins Galoppieren wechseln. Sollte das Pferd in einen Langstrecken Galopp in einen anderen Reitstil wechseln wird der Reiter einen Moment der Stille erfahren, bevor sich die neue Gangart etabliert. Er wird sich mit der Gangart angleichen um mit dem neuen Bewegungsmuster eins zu werden. Man benutzt dieselben Grundlagen in der Organisation der Fluktuation des Cerospinalflüssigkeit in dem man einen guten Kontakt etabliert und die gleichen vorher genannten Prinzipien benutzt.
Die Zügel sind die reziproken Spannungsmembranen (RTM), die immer unter Spannung sind.
Wir kommen mit ihnen in Kontakt durch die Knochen an denen sie befestigt sind. Das heißt das man jeden Knochen des Schädels oder des Gesichtschädels sowohl als auch das Sakrum benutzen kann.









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